Was wäre, wenn...?

„Alternative Versionen der Harry Potter Welt“

20.10.2026
Was wäre, wenn... Draco Malfoy seinen Auftrag auf dem Astronomieturm selbst ausgeführt hätte?
Der Astronomieturm in Hogwarts gehört zu den entscheidenden Schauplätzen des sechsten Bandes. Hoch über den Ländereien steht Draco Malfoy einem Mann gegenüber, den er eigentlich töten soll: Albus Dumbledore. Doch als es schließlich darauf ankommt, zögert Draco. Trotz seiner Drohungen und all der Mühe, die er in seinen Auftrag gesteckt hat, bringt er es nicht über sich, den tödlichen Fluch auszusprechen. Am Ende ist es Severus Snape, der Dumbledore tötet. Was zunächst wie ein Verrat aussieht, ist jedoch Teil einer geheimen Absprache zwischen den beiden Männern. Dumbledore weiß, dass er sterben wird, und möchte Draco vor einer Tat bewahren, die ihn für immer verändern könnte.

Doch was wäre geschehen, wenn Draco nicht gezögert hätte? Wenn er seinen Zauberstab gehoben und den tödlichen Fluch selbst ausgesprochen hätte? Schon lange vor der Begegnung auf dem Astronomieturm wird deutlich, dass Draco unter seinem Auftrag leidet. Was Voldemort ihm auferlegt hat, ist weit mehr als eine Mutprobe oder eine Gelegenheit, sich zu beweisen. Der Dunkle Lord verlangt von einem Jugendlichen, den mächtigsten Zauberer seiner Zeit zu töten – und macht gleichzeitig deutlich, welche Konsequenzen ein Scheitern für Draco und seine Familie haben könnte. Draco versucht, seinen Auftrag zu erfüllen. Er vergiftet den Met, der eigentlich Dumbledore erreichen soll, und sorgt dafür, dass eine verfluchte Halskette beinahe Katie Bell das Leben kostet. Doch beide Versuche scheitern. Mit jedem Fehlschlag wächst der Druck, während seine Angst und seine Verzweiflung immer deutlicher werden.
Hätte Draco auf dem Astronomieturm tatsächlich den Todesfluch ausgesprochen, wäre aus diesem inneren Konflikt eine unumkehrbare Tat geworden. Er hätte nicht länger nur versucht, Dumbledore zu töten. Er hätte es getan. Ob ihn die Schuldgefühle danach überwältigt hätten, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass Draco nicht der gefühllose Todesser ist, als der er sich nach außen präsentieren möchte. Er ist ein Junge, der in die Ideologie seiner Familie hineingeboren wurde und zunehmend feststellen muss, welchen Preis diese Welt von ihm fordert. Der erfolgreiche Mord hätte deshalb nicht zwangsläufig bedeutet, dass Draco seine Entscheidung innerlich akzeptiert hätte. Vielleicht hätte er versucht, seine Zweifel zu verdrängen. Vielleicht hätte ihn die Erinnerung an diese Nacht noch Jahre später verfolgt.
Für Voldemort wäre Dracos Tat zunächst ein voller Erfolg gewesen. Der junge Malfoy hätte bewiesen, dass er bereit ist, seine Befehle auszuführen; selbst dann, wenn sie den Mord an einem der bedeutendsten Zauberer der magischen Welt verlangen. Das hätte Draco innerhalb der Reihen der Todesser vermutlich einen anderen Stellenwert verschafft. Er wäre nicht länger nur der Sohn einer einflussreichen Zaubererfamilie gewesen, dessen Loyalität Voldemort auf die Probe stellte. Er hätte eine Tat begangen, die ihn unmittelbar an die dunkle Seite gebunden hätte.
Doch wäre Draco dadurch tatsächlich sicherer gewesen?
Wahrscheinlich nicht. Voldemort hätte zwar einen wichtigen Erfolg verbuchen können, doch seine Anerkennung wäre keine Garantie für Schutz oder Vertrauen gewesen. Die Malfoys standen ohnehin unter enormem Druck, und ein erfolgreicher Auftrag hätte Voldemorts Erwartungen an Draco womöglich nur weiter erhöht. Ein Ausstieg aus den Reihen der Todesser wäre dadurch noch schwieriger geworden. Draco hätte nicht nur mit seiner Herkunft und den Erwartungen seiner Familie kämpfen müssen, sondern auch mit der Verantwortung für eine Tat, die er selbst begangen hätte. Allerdings bedeutet eine solche Entscheidung nicht zwangsläufig, dass ein Mensch für immer auf demselben Weg bleiben muss. Selbst wenn Draco Dumbledore getötet hätte, wäre damit nicht entschieden gewesen, wie er sich in den folgenden Jahren entwickelt hätte. Die Frage wäre vielmehr gewesen, ob er den Mut gefunden hätte, sich irgendwann gegen Voldemort und gegen die Überzeugungen seiner Familie zu stellen.
Auch für Severus Snape hätte Dracos Entscheidung weitreichende Folgen gehabt. Dumbledore wusste, dass sein Leben aufgrund des Fluchs um Marvolo Gaunts Ring ohnehin begrenzt war. Gemeinsam mit Snape hatte er deshalb vereinbart, dass Snape ihn töten sollte, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen war. Damit wollte Dumbledore Draco davor bewahren, zum Mörder zu werden, und gleichzeitig Snapes Stellung als vermeintlich loyaler Anhänger Voldemorts sichern. Hätte Draco den Todesfluch selbst ausgesprochen, wäre dieser Teil des Plans hinfällig gewesen.
Snape hätte Dumbledore nicht töten müssen, um Draco zu schützen. Gleichzeitig hätte ihm eine wichtige Gelegenheit gefehlt, seine Loyalität gegenüber Voldemort auf eine Weise zu demonstrieren, die mit Dumbledore abgesprochen war. Wie Voldemort darauf reagiert hätte, wäre schwer vorherzusagen gewesen. Zwar hätte Snape weiterhin als Doppelagent agieren können, doch die Ereignisse auf dem Astronomieturm hätten eine andere Grundlage für die folgenden Entwicklungen geschaffen. Seine Rolle im Kampf gegen Voldemort wäre dadurch möglicherweise komplizierter geworden. Besonders tragisch wäre dabei, dass Dumbledores Versuch, Draco eine letzte Möglichkeit zu geben, seine Unschuld zu bewahren, gescheitert wäre. Snape hätte zwar weiterhin seine eigenen Aufgaben verfolgt, doch er hätte Draco nicht mehr vor dieser konkreten Schuld bewahren können.
Hätte Draco danach noch umkehren können? Vielleicht ist genau das die spannendste Frage dieses Gedankenexperiments. Draco hätte mit einem erfolgreichen Todesfluch eine Grenze überschritten, die er im Originalverlauf nicht überschreitet. Trotzdem wäre er dadurch nicht automatisch zu einem zweiten Voldemort geworden. Seine Angst, seine Zweifel und seine Gewissensbisse wären nicht einfach verschwunden. Möglicherweise hätte die Tat ihn zunächst noch tiefer in die Reihen der Todesser getrieben. Aus Angst vor den Konsequenzen hätte er sich an Voldemort geklammert und versucht, sich selbst einzureden, dass es keinen anderen Weg mehr gäbe.
Es wäre aber ebenso denkbar, dass gerade die Schwere seiner Entscheidung einen Wendepunkt ausgelöst hätte. Vielleicht hätte Draco erst nach Dumbledores Tod wirklich verstanden, was seine Familie und Voldemort von ihm verlangten. Vielleicht hätte er begonnen, die Ideologie infrage zu stellen, mit der er aufgewachsen war. Ein solcher Weg wäre vermutlich nicht einfach gewesen. Reue allein hätte die Tat nicht ungeschehen gemacht. Draco hätte Verantwortung übernehmen und sich bewusst gegen die Welt stellen müssen, die ihn geprägt hatte. Seine spätere Entwicklung wäre deshalb nicht zwangsläufig völlig anders ausgefallen. Doch der Weg dorthin hätte eine zusätzliche, schwerwiegende Belastung mit sich gebracht.

Dracos Zögern auf dem Astronomieturm ist mehr als ein Zeichen seiner Unsicherheit. Es ist der Moment, in dem sichtbar wird, dass zwischen den Erwartungen an ihn und dem Menschen, der er tatsächlich ist, ein entscheidender Unterschied besteht. Hätte Draco Dumbledore selbst getötet, wäre sein Leben vermutlich von dieser Entscheidung geprägt worden. Voldemort hätte seinen Erfolg gefeiert, Snapes geheimer Auftrag hätte eine andere Bedeutung erhalten, und Draco hätte sich mit einer Schuld auseinandersetzen müssen, die ihm im tatsächlichen Verlauf der Geschichte erspart bleibt. Ob er dadurch endgültig auf der dunklen Seite geblieben wäre, lässt sich nicht beantworten. Vielleicht hätte ihn die Tat noch tiefer in Voldemorts Welt hineingezogen. Vielleicht hätte sie ihm aber auch vor Augen geführt, dass er diesen Weg nicht länger gehen konnte.
Fest steht: Draco Malfoy wird auf dem Astronomieturm nicht nur mit Dumbledore konfrontiert, sondern auch mit sich selbst. Und manchmal entscheidet nicht allein das, was ein Mensch tut, über seinen weiteren Weg, sondern auch das, wozu er sich im entscheidenden Moment nicht überwinden kann.

Bis zum nächsten Mal!
#AweSoMe

~ Mahri ~