Was wäre, wenn...?

„Alternative Versionen der Harry Potter Welt“

27.07.2026
Was wäre, wenn... Harry Potter sich mit Draco Malfoy statt Ronald Weasley angefreundet hätte?
Eine der (für mich) wichtigsten Entscheidungen der gesamten Geschichte um den Jungen, der überlebte, findet bereits im Hogwarts-Express statt. Schon wenige Stunden nach seiner Ankunft in der magischen Welt trifft Harry Potter eine Entscheidung, deren Tragweite ihm unmöglich bewusst sein konnte.
Im Hogwarts-Express setzt sich ein rothaariger Junge mit Sommersprossen zu ihm ins Abteil. Ron Weasley.
Aus einem einfachen Gespräch entsteht eine Freundschaft, die beide Jungen durch sieben Schuljahre, einen Krieg und unzählige lebensgefährliche Abenteuer begleiten wird.
Doch nur wenige Stunden zuvor hatte Harry bereits einen anderen Jungen in der Winkelgasse kennengelernt. Draco Malfoy. Auch Draco bot Harry in Hogwarts seine Freundschaft an. Allerdings fügte er eine zusätzliche Aussage an, die dem Harry, den wir kennen, überhaupt nicht gefallen hat: Harry würde sich schließlich nicht mit der falschen Sorte Zauberer anfreunden wollen, so zumindest Draco’s Auffassung. Harry lehnte ab und damit begann eine Feindschaft, die sich durch seine gesamte Geschichte ziehen sollte.
Doch was wäre passiert, wenn sich Harry an diesem Tag anders entschieden hätte? Schon zu Beginn unterscheiden sich Ron und Draco kaum in einem Punkt: Beide versuchen, Harry für sich zu gewinnen. Der entscheidende Unterschied liegt allerdings in den Werten, die sie ihm vermitteln.
Ron stammt zwar aus einer alten Reinblutfamilie, doch die Weasleys begegnen Hexen, Zauberern und Muggeln gleichermaßen mit Respekt. Für Arthur Weasley sind Muggel sogar faszinierend. Harry lernt durch Ron, dass Herkunft nichts über den Wert eines Menschen aussagt. Draco wächst hingegen in einer Familie auf, die genau das Gegenteil vertritt. Reinblut gilt als überlegen, Muggelstämmige werden verachtet und viele Todesser gehören zum engen Freundeskreis der Familie Malfoy.
Harry kennt diese Welt zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht. Er besitzt keine eigenen Erfahrungen, um Dracos Aussagen kritisch zu hinterfragen und gerade deshalb hätte Draco enormen Einfluss auf ihn ausüben können.
Noch spannender wird die Frage nach dem Sprechenden Hut. Im Original verrät der Hut Harry, dass Slytherin ihm den Weg zu wahrer Größe ebnen könnte. Harry entscheidet sich jedoch bewusst dagegen. Warum?
Weil seine erste Begegnung mit einem Slytherin ausgerechnet Draco Malfoy war. Wären beide bereits Freunde gewesen, hätte Harry Slytherin vermutlich gar nicht mehr als abschreckend empfunden. Vielleicht hätte er dem Hut sogar freie Wahl gelassen, oder sich gar selbst für Slytherin entschieden. Allein diese Entscheidung hätte die gesamte Dynamik der Geschichte verändert.
Ron und Harry wären wahrscheinlich nie Freunde geworden. Stattdessen hätte Harry seine ersten Schuljahre gemeinsam mit Draco, Crabbe, Goyle und den anderen Slytherins verbracht. Besonders tragisch wäre dabei wohl Hermines Rolle gewesen. Zu Beginn gilt sie in fast allen Häusern als Besserwisserin und selbst Ron kommt zunächst nicht gut mit ihr zurecht. Dass ausgerechnet der Troll im Mädchenklo die drei zusammenschweißt, gehört zu den besten Wendepunkten der gesamten Reihe. Doch wäre Harry überhaupt mit Ron unterwegs gewesen? Wäre er überhaupt in die Nähe von Hermine gekommen? Vermutlich nicht.
Und genau das hätte dramatische Folgen gehabt. Denn Hermine ist während der gesamten Geschichte weit mehr als nur eine Freundin für Harry. Sie ist diejenige, die recherchiert, Zusammenhänge erkennt und immer wieder Lösungen findet, wenn alle anderen längst aufgegeben hätten. Wer hätte herausgefunden, dass der dreiköpfige Hund Fluffy Musik liebt? Wer hätte die Hinweise zur Kammer des Schreckens entschlüsselt? Wer hätte den Vielsafttrank gebraut? Wer hätte Harry auf die Heiligtümer des Todes aufmerksam gemacht? Ohne Hermine wären zahlreiche Abenteuer vermutlich schon in ihren Anfängen gescheitert.
Auch Dumbledore hätte die Veränderung nicht entgangen sein können. Er wusste bereits vor Harrys Einschulung, dass Voldemort eines Tages zurückkehren würde. Entsprechend aufmerksam beobachtete er den Jungen. Ein Harry, der plötzlich eng mit der Familie Malfoy verbunden wäre, hätte Dumbledore vermutlich große Sorgen bereitet. Vielleicht hätte er versucht, Harry gezielt andere Vorbilder an die Seite zu stellen. Vielleicht hätte Professor McGonagall versucht, ihn stärker an Gryffindor heranzuführen.
Doch Freundschaften lassen sich nicht verordnen. Je länger Harry Zeit mit Draco verbringt, desto stärker hätte dessen Weltbild auf ihn abgefärbt. Allerdings muss diese Geschichte nicht zwangsläufig in einer Katastrophe enden. Denn Freundschaften verändern beide Seiten.
Während Harry Gefahr gelaufen wäre, einige Vorurteile der Malfoys zu übernehmen, hätte auch Draco zum ersten Mal jemanden in seinem Leben gehabt, der sich nicht einfach allem fügt, was Lucius Malfoy vorgibt. Harry kennt Ausgrenzung und er weiß, wie es sich anfühlt, unerwünscht zu sein. Vielleicht hätte genau diese Erfahrung verhindert, dass er Muggelstämmige jemals wirklich verachtet. Immer wieder hätte Harry Fragen gestellt. "Warum sollen Muggel schlechter sein?", "Warum hasst dein Vater die Weasleys?", "Warum dürfen wir nicht mit Hermine reden?" Es sind einfache Fragen, doch oft sind es genau diese Fragen, die festgefahrene Weltbilder ins Wanken bringen. Vielleicht hätte Draco zum ersten Mal begonnen, die Ansichten seiner Familie zu hinterfragen.
Spätestens mit Voldemorts Rückkehr wäre die Freundschaft auf eine harte Probe gestellt worden. Die Familie Malfoy gehört zu Voldemorts engsten Anhängern. Harry ist hingegen sein größter Feind. Draco hätte sich spätestens an diesem Punkt entscheiden müssen. Folgt er seinem Vater? Oder schützt er seinen besten Freund? Diese Entscheidung wäre vermutlich noch schwerer gewesen als alles, was Draco im Original durchmachen musste.
Vielleicht hätte gerade Harry verhindert, dass Draco überhaupt den Auftrag erhält, Dumbledore zu töten. Vielleicht wäre Draco schon Jahre früher zum Verräter an Voldemort geworden. Oder aber Voldemort hätte Harry Stück für Stück auf seine Seite gezogen. Beide Möglichkeiten erscheinen erstaunlich realistisch.
Auch Neville Longbottom könnte in dieser Zeitlinie eine ganz andere Rolle einnehmen. Ohne Harry als engsten Freund hätte Ron möglicherweise Neville stärker unter seine Fittiche genommen. Gemeinsam mit Hermine hätten sie ein völlig neues Trio bilden können, eines, das vielleicht ebenfalls den Stein der Weisen schützt, aber auf ganz andere Weise.
Es zeigt sich, dass eine einzige Freundschaft weit mehr verändert als zwei Namen auf einer Freundesliste. Sie verändert ganze Lebenswege. Am Ende bleibt deshalb eine spannende Erkenntnis. Viele glauben, Harry Potter habe Voldemort besiegt, weil er mutig, loyal und selbstlos war. Doch vielleicht entwickelte er genau diese Eigenschaften erst durch die Menschen, mit denen er sich umgab.
Ron brachte ihm Loyalität bei.
Hermine lehrte ihn, nachzudenken.
Die Weasleys schenkten ihm zum ersten Mal das Gefühl, Teil einer Familie zu sein.
Hätte stattdessen Draco Malfoy diesen Platz eingenommen, wäre aus dem Jungen, der überlebte, möglicherweise ein völlig anderer Mensch geworden. Oder vielleicht wäre Harry genau der Freund gewesen, den Draco Malfoy gebraucht hätte, um selbst ein anderer Mensch zu werden.
Denn manchmal entscheidet nicht der Held die Geschichte, sondern manchmal entscheidet die Person, die sich im Zug zu ihm setzt.

Bis zum nächsten Mal!
#AweSoMe

~ Mahri ~